Feedbackgespräche zum Jahresende oder Jahresanfang gehören für viele zum Arbeitsalltag. Rückblick, Ausblick, Entwicklung. Und trotzdem lösen sie oft Stress, innere Anspannung oder sogar Selbstzweifel aus.
Der Satz „Feedback is a gift“ klingt gut – fühlt sich aber häufig ganz anders an. Statt die positiven Rückmeldungen wahrzunehmen, fokussieren wir uns auf Kritikpunkte. Ein einziger Satz über Entwicklungspotenzial überstrahlt alles, was gut läuft. Und dann, geht das „Kopfkino“ los, von unfair bis übertrieben und noch mehr.
Warum wir Kritik stärker wahrnehmen als Lob?
Unser Gehirn ist darauf programmiert, Gefahren schneller zu erkennen als Positives. Kritik wird unbewusst als Bedrohung interpretiert – selbst dann, wenn sie konstruktiv gemeint ist. Die Folge:
Wir gehen in die Verteidigung, werden emotional oder ziehen vorschnelle Schlüsse über uns selbst.
Gerade in Feedbackgesprächen zeigt sich das deutlich.
Feedback annehmen beginnt mit „Danke“ sagen
Ein entscheidender Perspektivwechsel: Um dir Feedback zu geben, hat sich jemand Zeit genommen.
Jemand hat reflektiert, beobachtet und sich bewusst mit dir auseinandergesetzt. Das allein verdient Anerkennung. Bedanke dich ehrlich und bewusst dafür,
- dass jemand dir sagt, was er an dir schätzt
- und wo er Entwicklungspotenzial sieht
Sag einfach laut „Danke“ für das Feedback, das verändert auch Deine innere Haltung sofort.
Achte auf deine Wortwahl – auch dir selbst gegenüber
Feedback ist kein Beweis für Fehler oder Unzulänglichkeit. Es ist die Chance, gezielt an Themen zu arbeiten.
Es geht nicht darum, Schwächen zu finden, sondern Justierungen vorzunehmen.
Die Frage ist nicht:
„Was stimmt nicht mit mir?“
sondern:
„Was kann ich bewusster, klarer oder wirksamer machen?“
Deine innere Sprache entscheidet darüber, ob Feedback dich klein macht oder wachsen lässt. Achte vor allem in deinem Gedankenkarusell auf die richtige Wortwahl. Es geht nicht um Fehler, sondern um die Chance an dir zu arbeiten, neues zu lernen, Erfahrungen hinzuzufügen, um für die nächste große Aufgabe bereit zu sein oder in deinem jetzigen Job noch mehr zu brillieren.
Feedback richtig verstehen statt falsch interpretieren
Ein häufiger Fehler nach Feedbackgesprächen: Wir interpretieren zu schnell.
Oft sind Feedbacks nur kurze Gespräche oder im Fall von einem 360 Grad Feedback standardisierte Fragen/Antworten. Daraus lässt sich oft nicht genau genug ableiten, was das Feedback wirklich bedeutet oder worauf es abzielt. Sei dir bewusst, so wie du dich siehst, das ist nur eine Perspektive auf dich. Hier geht es aber nicht um deine Perspektive sondern auf die der anderen.
Besser ist es, aktiv nachzufragen und das Feedback zu vertiefen. Triff dich mit Mitarbeitenden, Peers oder Vorgesetzten und bitte sie um Konkretisierung.
Wichtig: Frage nicht nach dem Warum habe ich das Feedback bekommen?
„Warum?“ bringt dein Gegenüber in die Rechtfertigung.
Stattdessen, frage nach den Details:
- „Wie zeigt sich dieses Verhalten konkret?“
- „In welchen Situationen fällt es dir besonders auf?“
- „Welchen Impact hat das auf dich oder das Team?“
So sammelst du Klarheit statt Annahmen und kannst daraus die nächsten Schritte für dich, besser ableiten.
Feedback hallt nach – und du weißt nicht genau, was du daraus machen sollst?
Im Coaching schauen wir gemeinsam hin und übersetzen Rückmeldungen in Klarheit, Fokus und konkrete Handlungsschritte.
Der größte Hebel liegt in der Zeit nach dem Gespräch
Mache Feedback zu einem festen Bestandteil deiner Entwicklung:
- quartalsweise Check-ins mit deinem Team
- regelmäßige Gespräche mit deinem Vorgesetzten
- Integration in deinen persönlichen Development Plan
Kommuniziere diesen Plan klar und halte dich daran. So wird Feedback messbar, wirksam und hat die Bedeutung die es verdient.
So bereitest du dich auf Feedbackgespräche vor
Damit du nicht defensiv, verletzt oder emotional reagierst:
- Setze eine klare Intention: Ich will verstehen, nicht verteidigen. Vielleicht hilft es dir, dir vorzustellen, dass du in diesem Gespräch ein wissbegieriger Forscher bist.
- Atme bewusst – das beruhigt dein Nervensystem.
- Notiere dir Feedbackpunkte schriftlich.
- Trenne Verhalten von Identität: Feedback beschreibt was, nicht wer du bist.
Gute Vorbereitung schützt dich vor emotionalen Kurzschlüssen. Hab im Blick, dass das nur der Start ist und dass du daraus deinen Development Plan für das Jahr entwickelst.
Fazit: Feedback ist ein Angebot – kein Urteil
Feedback ist kein Endpunkt, sondern ein Anfang.
Je ehrlicher, ruhiger und strukturierter du dich damit auseinandersetzt, desto größer ist die Chance, gestärkt und mit einem konkreten Plan daraus hervorzugehen.
Nicht perfekt. Aber klarer, bewusster und besser ausgerichtet auf das, was vor dir liegt.
Fällt es dir schwer, Feedback wirklich anzunehmen – obwohl du wachsen willst?
Im Coaching schaffen wir Klarheit, sortieren Rückmeldungen ein und machen daraus konkrete nächste Schritte für deine Entwicklung.







